Der
kraftstrotzende Generator ist frisch poliert und hat eine
neue Heimat gefunden; seine Batterien sind voller Saft:
Air Liquide, die elektronische Institution mit Herz, Seele
und grenzenloser Spielfreude liess ihre frisch gewonnene
Energie in eine erneute Erweiterung ihres grenzüberschreitenden
Konzepts fliessen. Ihr aktuelles (und zwölftes) Album
"Let Your Ears Be the Receiver" ist näher
dran am Publikum, sowie an der wahren Clubphilosophie, als
jedes Release vorher, denn Cem Oral (Jammin' Unit, Berlin)
und Ingmar Koch (Dr. Walker, Köln) installierten ihr
Recording Equipment in der Mitte des Tanzflurs ihres eigenen
Clubs!
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Musikalische
Beschränkungen haben für die beiden Masterminds
noch nie existiert, genauso wenig wie die Distanz vom Live-Performer
zur Crowd. Die Bühne war für Air Liquide schon
immer da, wo der Kräfteaustausch stattfindet. Das Projekt
wurde 1991 in Frankfurt a.M. als Plattform innerhalb der
sogenannten "Neuen Frankfurter Elektronikschule"
gegründet (zu der u.a. auch Khan und Jörg Burger
alias Bionaut, Burger/Ink, The Modernist, Trinkwasser gehörten),
um die Grenzen zwischen Sound Design, Experiment und Publikumsreaktion
auszutesten. Alsbald stellte man überrascht fest, dass
die vermeintliche Grenze vielmehr eine energetische Verbindungsleitung
zwischen Performer und Konsument repräsentiert –
also eine perfekte Basis für den ultimativen Kollektivrausch.
Air
Liquide behaupten mit "Let Your Ears Be the Receiver"
ihre einzigartige Position im elektronischen Pop-Business.
Ohne mit dem Soundfile zu zucken, verbinden sie die Tradition
deutschen Forscherdrangs mit schwarzem Soul & Funk und
einer fast schon karibischen Geschmeidigkeit. Der gemeinsame
Faktor dieser enormen, zum Maximum reduzierten Megaparty
aus Electro, House ("Theme from Butterfly"), Donna-Summer-Disco
("I Do My Best"), Acid ("If You Need Lo Frequency"),
Ragga ("Boojaka"), Dub ("Mary's Dub")
und Unerhörtem ("Affentanz") ist dabei eindeutig
die erotisierende Komponente.
Auch
dieses Release wird wieder einmal von namhaften Vokalisten
unterstützt: Mary S. Applegate kann man als Bandmitglied
der ersten Stunde bezeichnen; sie schrieb auch schon Lyrics
für Boney M., Jennifer Rush und Kim Wilde. Marcea war
Mitglied eines renommierten US-Gospelchores (der Klassiker…)
und ist bereits seit Frankfurt-Zeiten mit Air Liquide befreundet.
Khan (Captain Comatose), der Bruder von Jammin' Unit, hat
selbst erfolgreich das elektronische Musikgeschehen umgekrempelt
– in den letzten Jahren zunächst von New York
aus, seit ein paar Monaten in seiner neuen Homebase Berlin.
Universal Mike (der den Titeltrack sang) verstarb kurz nach
den Gesangsaufnahmen unter mysteriösen Umständen.