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Der vom Himmel beschützte Hofprediger
Das Gänsegretel
von Fechingen, Katharina Kest, stand noch im Beginn
seines Aufstieges, der es zur zweiten Frau des Fürsten
Ludwig von Nassau-Saarbrücken, zur Reichsgräfin
von Ottweiler und Herzogin von Dillingen machen sollte.
Doch war die offenbare Liebschaft, die der Fürst
mit diesem klugen,
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zuerst zur Frau von
Ludwigsberg erhobenen Landmädchen noch zu Lebzeiten
der regierenden und im Volke äusserst beliebten Fürstin,
einer geborenen Prinzessin von Schwarzburg- Rudolstad, eingegeangen
hatte, der Geistlichkeit ein Stein des Anstosses.
Aus den Papieren der
Familie Rollé in Malstatt, deren Vorfahr Thomas Baltasar
Rollé, fürstlicher Hofprediger Konsistorialrat
und Superintendant gewesen war, erfahren wir von einem die
Lage damals bezeichnenden Vorfall: an einem Sonntage erschien
Katharina in der Schlosskirche und liess sich in dem Kirchenstuhl
der Fürstin nieder. Rollé rief ihr in heller
Entrüstung das Donnerwort zu: "Hure, weiche deiner
Fürstin!".
Sie verliess sofort
die Kirche, eilte in Wut zum Fürsten, Rache fordernd
für den angetanen Schimpf. Ludwig liess sogleich dern
Pastor vor sich fordern, willens, in mit eigener Hand zu
erschiessen, zu welchem Zwecke er seien kostbaren Waffen
vor sich legte. Die Freunde baten den Bedrohten dringend,
dem Rufe des leidenschaftlichen Mannes nicht zu folgen,
bis die erste Hitze verraucht sei. Aber mit den Worten:
" Ich bin gerufen, ich werde gehen", trat Rollé
im Ornat den Gang ins Schloss an, die Bibel als einzige
Waffe im Arme.
Furchtlos schritt
er durch die bleiche Schar der Höflinge. Man öffnete
ihm das Gemach des sich beleidigt fühlenden Souveräns,
des an einem Tische stehend unverwandt nach ihm hinstarrenden
Fürsten näher, er öffnete seine Bibel mit
den Worte: "Hier steht es geschrieben, Teufel kratz
es aus!" Lautlos stand der Fürst einige Minuten,
als er begann: "Sie sind ein gewaltiger Mann! Ich lade
sie hiermit zu meiner Tafel, folgen sie mir!" Dann
heisst es fromm in der alten Aufzeichnugen weiter: Von seinen
Kavalieren gefragt, warum er seinem Vorsatz entsagte, antwortete
der Fürst: "Der bei ihm stand, sah mich so seltsam
an, ich konnte nicht schiessen." Niemand aber hatte
einen Begleiter gesehen. Rollé selbst hatte keine
Ahnung davon, aber er glaubte an den, der seine Engel sendet,
wohin er will.
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Die am zahnweh verstorbene Gräfin von Nassau-Saarbrücken
Die Volkssage will
wissen, dass eine der Gattinen des Grafen Johannn III von
Saarbrücken am zahnweh verschieden sei und dass deshalb
ihr Monument in der Kirche von St. Arnual zur Seite ihres
Gatten, ein Prächtiges Kunstwerk aus gotischer Zeit,
das um die Backen gewundene Tuch zeige. Es ist das hervorragend
künstlerische Hochgrab aus dem 15. Jahrhundert, das
diesem Grafen liegend mit seinen beiden Gattinnen aus den
Geschlechtern der Würtemberg und der Burggrafen von
Antwerpen aus dem Haus Leon und Heinsberg [...] zeigt.[...]
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Die unregelmässigen Geliebten des Fürsten Willhelm
Heinrich
Die Zahl der unregelmässigen
Geliebten dieses um Saarbrücken so hochverdienten Fürsten
und bedeutsamen Bauherrn war sehr gross. Dazu gehörten
nämlich neben der offiziellen "maitresse en titre",
der Frau vom Freithal, die in ihrem anmutigen Rokokopalais
am späteren Ludwigsplatz residierte, oder vorher noch
der schönen Perlerin, die ein herrlich ausgestattetes
Haus neben dem fürstlichen Marstall mit seinem stattlichen
Mittelpavillion, der die Mitte der Willhelm-Heinrich-Strasse
einmal so wirksam betonend dessen so elegant geschwungenes
Portal sich gewissermassen auf der anderen Seite des Marstalls
am alten Kasino, in dieser prächtigen, dann rücksichtslos
vernichteten Baugruppe wiederholte, bewohnt hat, auch wohl
einfachere Landesangehörige.
Als dieser symphatische und wohlwollende Saarbrücker
Regent einmal wieder von einer seiner alljährlichen
Reisen von Paris zurückkam, wo er, wie sein Nachbar
Christian IV. von Zweibrücken, bei Ludwig XV. und der
dort herrschenden klugen Dame, der Marquise von Pompadour,
wohl belibt war, ja in hohem Ansehen stand, hatte er, um
diesen unregelmässigen Liebschaften einen Schabernack
zu spielen und seinem Volke etwas zu lachen zu geben, jeder
derselben ein und dasselbe blaue seidene Gewand mitgebracht.
Jede hielt sich nun für die Bevorzugte, und um das
schöne Kleid zu zeigen und den Neid der anderen damit
zu erregen, zog sie es alsbald an un wanderte damit stolz
zur Schlosskirche, als deren Glocken mahnend und rufend
am nächsten Sonntagmorgen zu läuten begannen.
Und da tauchten plötzlich aus allen Gassen und von
allen Seiten her die nämlichen, festlich weitgebauschten
Prachtroben blauleuchtend auf, zur grossen Belustigung der
ehrsamen, Saarbrücker Bürger, denen es förmlich
blau vor Augen geworden sein muss. Vom "blauen Sonntag"
aber hat man noch lange geredet in der Stadt.
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Der Hofnarr
Zu Fürstenzeiten
gab es in Saarbrücken einen Hofnarren, der durch seine
Spässe gross und klein belustigte. Als er starb, folge
eine grosse Menge dem Sarg, der zu dem damals bei der späteren
Dragonerkaserne im Etzel der Vorstadt nach Forbach zu gelegenen
Friedhof zog. Wie erschrak man aber, als man dort ankam
und an der Kirchhofstür der vermeintliche Tote, den
man im Sarge glaubte, stand und die muntersten Weisen auf
einer Geige, ohne eine Mine zu verziehen, erschallen liess,
um so seinem eigenen Leichenzuge Musik zu machen. Es stellte
sich dann heraus, dass das ganze Totsagen wieder einmal
nur ein von ihm ausgeheckter Scherz war, wenn in diesem
Falle auch kein geschmackvoller. Aber das Stadt- und Hofgespräch
war da und seinen Zweck hatte er doch erreicht. Den Sarg
aber hatte er mit Steinen gefüllt.
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Das weisse Kreuz auf dem Schlossplatz
In das Pflaster des
Schlossplatzes war ein weisses Kreuz aus Pflastersteinen
eingelegt, ungefähr in der Mitte vor dem alten Bergamt
und vor dem ehemaligen Polizeigebäude, das zum Rathaus
gehörte und jezt noch in Ruinen, wie dieses der Auferstehung
harrt. Dies Kreuz aber sollte nach der Volkssage den Platz
bezeichnet haben, wo 1793 die Guillotine stand und als Opfer
der Revolution und des berüchtigten Volkskommissärs
Ehrmann die Güdinger Lohmüller und Huppert hingerichtet
wurden.
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